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  • Weihnachtsstadt Bad Homburg

Das sprechende Pain au chocolat

Aktualisiert: 11. Dez. 2023

Von Lilly Zoe Schmitz, 5b2, Kaiserin-Friedrich-Gymnasium


Es war einmal ein sehr armer Bäcker, der hatte so wenig Geld, dass er sich und seine Familie kaum ernähren konnte. Tag für Tag schuftete er von morgens bis abends, doch meistens kauften die Bad Homburger, das war die Stadt, in der er lebte, nur bei den großen Ketten oder einfach im Supermarkt. Wahrscheinlich lag es daran, dass sein Geschäft nicht auf der Louisenstraße, einer Einkaufsstraße mitten in Bad Homburg lag oder gar an einem anderen reich besuchten Ort.

Nein, es lag abgelegen in Kirdorf, einem kleinen Stadtteil von Bad Homburg. Dort wohnten zwar auch einige Leute, doch die fuhren lieber in die Bad Homburger Innenstadt als in seinen Laden zu kommen. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass das Geschäft schon etwas heruntergekommen war. Überall blätterte der Putz von den Wänden und durch das Dach kam bei stärkerem Regen Wasser gelaufen. Nur selten verirrte sich jemand in sein Geschäft. Meist waren das Besucher, die sich in Bad Homburg nicht auskannten. Dabei waren die Brötchen von Monsieur Dubois, so hieß der französische Bäcker, gar nicht so schlecht, sie waren sogar richtig lecker.


Es war an einem Montagmorgen. Die Kinder gingen gerade zur Schule, da kam Monsieur Dubois ein richtig guter Einfall.

Wieso eigentlich immer nur deutsche Brötchen und Brote? Wieso buk er nicht original französisches Baguette, Maccarones oder Pain au Chocolat?

Er hatte sich jahrelang an die deutsche Backkunst gewöhnen müssen und noch immer viel es ihm schwer.

Doch das sollte bald ein Ende nehmen. Er plünderte sein ganzes Sparschwein, um sich einen Laden auf der Louisenstraße leisten zu können.

Schon war das Geschäft, von dem später noch ganz Bad Homburg sprechen würde, gegründet: „Café de Paris“.


Monsieur Dubois begann sich langsam wieder wie in Frankreich zu fühlen. Er buk, was das Zeug hielt. Tag und Nacht stand er an der kleinen Küchenzeile und zauberte die herrlichsten Dinge.

Und am nächsten Morgen war es dann so weit.

Schwungvoll öffnete er die große Tür, vor der sich schon eine kleine Menschentraube gebildet hatte. In einem großen Kreis am Eingang war sein Markenzeichen zu erkennen: eine Art blauer Rettungsring in dessen Mitte ein kleines Bild von einem französischen Laden abgebildet war. Außen herum stand in geschwungenen Buchstaben: „Café de Paris“.


Im Laden wurde es langsam immer voller und Monsieur Dubois hatte alle Hände voll zu tun. Doch was er noch nicht ahnte, war, dass eines seiner Werke etwas ganz Besonderes war. Doch erstmal alles von vorne:

Alles begann damit, dass er ein riesiges Backblech gefüllt mit einer riesigen Ladung Pain au Chocolat in die Auslage schob. Gerade als er die Klappe zuschlagen wollte, hörte er eine hohe piepsige Stimme aus der Richtung des Bleches. Doch er konnte nichts verstehen, weil sie sehr leise sprach und dabei auch noch nuschelte. So dachte er sich nichts dabei und ging wieder hinter seinen Tresen. Doch da hörte er sie abermals. Es kam direkt aus dem großen Haufen, wo das Pain au Chocolat lag. Dieses Mal konnte er es etwas besser verstehen. Es sagte, nein es schrie nun viel mehr: „Och ist das hier langweilig! Lasst mich hier raus aus diesem ekligen Glaskasten.“ Damit meinte es höchstwahrscheinlich die Glasscheibe, die die Kunden vom Gebäck trennte. Langsam beugte sich der ältere Mann mit seinem Ohr nach unten, um zu hören, ob die Stimme noch da war, doch da betrat ein junger Mann das Geschäft. Er hatte raspelkurzes Haar und eine dicke Schneehose an. „Guten Tag“, grüßte er. „Ich hätte gerne ein Pain au chocolat.“

Monsieur Dubois schnappte sich eine kleine Tüte und packte eines der Gebäckstücke mit einer Zange. Da begann die Stimme wieder zu schreien: „BRRRR…, AUUAAA…! Man ist das eng! Wer wagt es mich dermaßen zu behandeln?“ Über das Gesicht des Bäckers huschte ein leises Lächeln. Da hatte er wohl genau das richtige erwischt. Schnell drehte er sich weg und schrieb mit Schokocreme auf die Unterseite des Blätterteigs: "VORSICHT MOTZIG". Ohne dass jemand etwas bemerkt hatte, kritzelte er noch ein kleines Ausrufezeichen daneben und schon war es in der Tüte verschwunden.

Da war der Mann auch schon aus der Tür verschwunden. Doch das Pain au Chocolat begann sich zu drehen und zu winden und kurze Zeit später hatte es auch schon sein Ziel erreicht. Der Henkel der Tüte riss, doch anstatt die Tüte zu öffnen packte der Mann sie kurzerhand in seinen Rucksack. Dort begann das Pain au Chocolat auch schon zu schimpfen: „So ein mieser Verräter! Was fällt dem eigentlich ein?“ Doch es wurde nicht gehört.


So wartete es motzig wie immer bis irgendwas geschah und das tat es tatsächlich. Denn plötzlich hielten sie abrupt an, so dass die Tüte durch den Rucksack flog. Langsam öffnete sich der Reißverschluss und eine große Hand, so viel konnte das Pain au Chocolat gerade noch sehen, packte die Tüte. Aufgeregt hüpfte es auf kleinen Beinen, wovon es sechs hatte, hin und her. Und dann zu seinem Glück öffnete sich die Tüte. Erst nur einen kleinen Spalt und dann immer weiter. Das Pain au Chocolat zögerte keinen Augenblick. Schon war es aus der Tüte gesprungen. Doch was es dann sah, verwunderte es. Soweit das Auge reichte waren Menschen. Sie tummelten sich um einen hohen weißen Turm, um den viele Buden und Stände standen. Und noch etwas verwunderte es. Überall lag eine weiße Schicht wie Puderzucker auf den Beignets im Laden. Außerdem war es eiskalt und nicht so schön warm wie im Backofen. Aus großen Lautsprechern war Musik zu hören die komischerweise von einem Tannenbaum handelte.

Neugierig hüpfte es über den Platz auf eine steinerne Treppe zu. Dort war der Eingang zu dem hohen Turm. Schnaufend stolperte das dünne Blätterteig Gebäck die steile kurvige Treppe hoch. Als es kurz vorm Zusammenbruch oben ankam, bot sich ihm eine fantastische Aussicht.


Als es sich umsah kam ihm plötzlich eine kleine Frau mit Besen entgegen. Unvorsichtig fegte sie das Pain au Chocolat einfach in ein dunkles Loch. Bevor es überhaupt den Mund zum Motzen aufmachen konnte, wurde es durch eine kleine Luke am Boden grob hinaus geschubst. Es segelte schreiend durch die Lüfte und der Fahrtwind zerriss fast den dünnen Blätterteig. Da flog es über Häuser und Dächer hinweg und wusste sich nicht zu helfen. Plötzlich tauchte unter ihm eine Art See in klein auf. Darauf folgten immer mehr. Manche hatten Rutschen andere starke Strömungen und bei anderen wiederum blubberte das Wasser wie in einem Kochtopf. Mit großem Schrecken stellte das Pain au Chocolat fest, dass es genau darauf zuflog. Was eben noch klein wie ein Spielzeug war, das wurde jetzt immer größer.

Jetzt war es nur noch wenige Meter über dem Wasser, doch jetzt war alles zu spät. Mit einem großen Platsch landete es im kristallklaren Wasser. Strampelnd versuchte es sich an der Oberfläche zu halten. Mit viel Mühe gelang es ihm dann, seinen mit Wasser vollgesogenen Körper, über den Beckenrand zu schleifen. Nass und erschöpft blieb es auf dem nassen Beton liegen.

Wer weiß wie lange es da noch gelegen hätte, wenn nicht plötzlich ein leises Hecheln neben ihm zu hören wäre. Langsam drehte sich das erschöpfte Pain au Chocolat um und bekam gleich noch einen Schrecken. Vor ihm stand ein riesiger weißer Hund, aus dessen Maul eine lange klebrige Zunge raus hing.

„Gibt es hier denn niemanden, der auch nur ansatzweise höflich ist? Erst schubst man mich aus dem Fenster, nachdem ich in einer Tüte eingesperrt war, dann falle ich aus zwanzig Metern Höhe in ein Schwimmbecken und jetzt streckst du mir auch noch deine Zunge raus?“, meckerte das nasse Gebäck. Doch der Hund fragte nur vorwurfsvoll: „Was tust du denn hier?“ „Wenn ich wüsste, wo ich hier gelandet bin, dann könnte ich dir das deutlich besser erklären, aber wieso sag ich dir das eigentlich alles? Normalerweise rede ich nämlich nicht mit so welchen wie dir“, begann es, doch der Hund überhörte einfach den letzten Satz und fuhr unbeirrt fort: „Du bist hier im Bad Homburger Schwimmbad im „Seedammbad“.“

„Na und?“, antwortete das Pain au Chocolat frech. „Habe ich dich das gefragt?“ Darauf hatte der Hund keine Antwort und verschwand beleidigt hinter einigen Büschen. Schimpfend setzte sich nun auch das Pain au Chocolat in Bewegung und erreichte kurz darauf einen schönen gepflegten Park.


Über den Boden und den Wiesen zog sich eine dünne Schneeschicht. Auf alten Holzbänken saßen Leute und ab und an sah man vereinzelt Leute mit ihren Hunden an der Leine vorüber gehen. Eine Zeit lang stand das nasse Gebäck nur da, dann fasste es einen Entschluss. Schnellen Schrittes eilte es auf einen der Hunde zu und schwang sich fast lautlos auf seinen Rücken. Doch der Hund schien gute Ohren zu haben, denn er zuckte zusammen und galoppierte im nächsten Augenblick los. Krampfhaft krallte sich das Pain au Chocolat an den braunen Schlappohren des Hundes fest. Sie glitten an Bäumen und einer Menge verwunderter Leute vorbei. Gerade rannten sie schon zum dritten Mal an einem schön verzierten Brunnen vorbei. Doch auf einmal blieb das Tier abrupt stehen. Denn hinter ihnen kam ein Mann in einer blauen Uniform rennend immer näher. „Halt! Stopp! Weißt du eigentlich, wo du hier bist?“, fragte er in einem strengen Ton. Dabei schien er das kleine Pain au Chocolat glatt übersehen zu haben, doch das schien es nicht zu stören. So laut es nur konnte platzte es mitten in die Unterhaltung: „Hey! Hallo, ich bin auch noch da! Und nein ich weiß nicht, wo ich hier bin! Wie soll man das denn auch wissen? Hier hängen ja nicht einmal Schilder!“

„Wieso schreist du denn so? Ich stehe doch direkt neben dir“, fragte der Wachmann erstaunt. Verdutzt schaute sich der Hund um, doch der Mann redete schon weiter: „Damit du es weißt, wir sind hier im Bad Homburger Kurpark“, erklärte er. „Und Hunde sind hier nur an der Leine erlaubt.“


Das Pain au Chocolat hatte aber schon wieder etwas anderes Spannendes entdeckt. Vor ihm stand ein Pfau. Die Leute schauten staunend in seine Richtung und raunten sich zu: „Das ist doch der Pfau aus dem Schlosspark!“ Das Pain au Chocolat nutzte die Verwirrung und ließ sich von dem Rücken des Hundes auf den des Pfaues gleiten. Kaum hatte es sich in sein buntes Federkleid gekrallt da flog er auch schon los. Wieder glitt es über Häuser und Dächer hinweg, doch diesmal fühlte sich das Ganze viel sanfter an. Plötzlich begann der Pfau zu buckeln und ehe sich das Blätterteig Gebäck versah, flog es im hohen Bogen durch die Luft und fiel dann wie ein Kartoffelsack in Richtung eines alt aussehenden Hauses. Schreiend flog es immer weiter, bis es merkte, dass es auf einen riesigen Schornstein zuflog. Doch für eine Notlandung war es jetzt zu spät. Laut krachend rutschte es durch den tiefen Schacht, bis es hart auf einem großem Stück Holz landete. Prustend und keuchend kletterte es aus dem Kamin, doch da saß schon jemand. Es war Monsieur Dubois. Überrascht blickte er auf das Pain au Chocolat. Sofort begann es wieder zu motzen. Da begann der alte Mann laut loszulachen, bis er fast an seinem Tee erstickte.

Das Pain au Chocolat hatte viel zu erzählen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sitzen sie vielleicht immer noch da und trinken Tee. Und wenn man in der Weihnachtszeit genau hinschaut, sieht man manchmal noch das Pain au Chocolat und Monsieur Dubois über den Weihnachtsmarkt bummeln.



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