• Weihnachtsstadt Bad Homburg

Das Schloss auf der Tulpe

von Helene Esther Droege


Es war einmal eine Prinzessin namens Elisabeth, die von allen nur Eliza gerufen wurde. Sie lebte im Bad Homburger Schloss und vertrieb sich ihre Zeit mit Malen. Am liebsten malte sie die Blumen im Schlosspark.

Eines Tages feierte Eliza ein großes Fest zu Ehren aller Zauberinnen im Land. Eliza malte für jeden Gast eine Tulpe und schrieb darunter den Namen eines Gastes, wie Neo, Zauberin der Illusion. Neo war eine junge Zauberin, sie war wild und spielte anderen gerne Streiche. Am Festtag wollte sie der Zauberin Zera zur Belustigung der Festgesellschaft einen Streich spielen. Zera war berühmt für ihre schlechte Laune und alle fürchteten sich vor ihren Wutanfällen und waren aus Furcht immer freundlich zu ihr. Doch Neo kümmerte das nicht. Als Neo in den Festsaal trat und Zera sah, schwang sie gleich ihren Zauberstab und rief: „Zauberstab, Zauberstab in meiner Hand, Illusion jetzt gleich an die Wand!“ An der Wand erschienen sogleich drei Bilder. Über dem ersten stand „Zera“, es zeigte eine verschrumpelte Aprikose. Über dem zweiten stand „Zera, geschminkt“ und man sah eine Mischung aus einer verschrumpelten Aprikose und einer alten Dame. Das dritte Bild zeigte zera wie sie war: hässlich vor lauter Wut. Eliza und alle Gäste amüsierten sich köstlich. Zera aber wurde fürchterlich zornig und tobte. „Zauberstab, Zauberstab in meiner Hand, unter dem Schloss soll eine riesige Tulpe wachsen! Das Schloss soll in die Höhe emporsteigen und alle sollen erstarren zu Stein. Nur Eliza soll nicht zu Stein werden und erst, wenn sie wieder eine Tulpe malt soll der Zauber ein Ende haben.“ Neo erschrak, doch konnte sie nichts tun, denn auch sie war versteinert. Zera zauberte weiter: „Zauberstab, Zauberstab in meiner Hand, erschaff einen weißen Turm der hoch über die Stadt hinausragen soll! Eliza soll im obersten Turmzimmer eingesperrt sein. Das ist meine Rache!“ Zera ließ im ganzen Land Farben, Stifte, Pinsel und Papiere verbrennen, damit ihr Zauber nie ein Ende nahm. Viele Jahre dauerte der Fluch. Weil Eliza nicht mehr malen konnte, setzte sie sich Tag für Tag auf einen Stuhl am Turmfenster und erfand Lieder wie „Ach, wäre ich frei wie ein Vöglein …“

Als sie eines Tages wieder so singend am Fenster saß, sah sie plötzlich ein Gesicht, das keinem Menschen gehörte. Vor dem Turm stand ein Riese und sah durch das Turmfenster. Dem Riesen gefiehl die Tulpe, die das Schloss trug so gut, dass er sie pflückte, um sie seiner Riesenfrau zu schenken. Das Schloss setzte er an seinen alten Platz. Zera tobte vor Wut, doch konnte sie dem Riesen nichts entgegensetzen. Eliza rief dem Riesen zu: „Lieber Riese, hole mir aus einem fernen Land bitte Papier, Farben und Pinsel!“ Der Riese, der freundlich war und die Gelegenheit sah, endlich in Frieden mit den Menschen zu leben, machte große Schritte und überquerte Länder und Ozeane, bis er schließlich am Ende der Welt die Malsachen fand. Er brachte sie Eliza, die rasch eine schöne Tulpe malte. Sofort brach der Zauber und alle Menschen wurden wieder zum Leben erweckt.

Von jetzt an lebte der Riese mit den Menschen in Glück und Frieden und Eliza malt ihr Leben lang die schönsten Tulpen. Zera aber wurde in den Bad Homburger Hexenturm gesperrt und wenn sie nicht gestorben sind, dann tobt sie dort heute noch herum.

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