• Weihnachtsstadt Bad Homburg

Die Elfe und der Weiße Turm

von Joris Bäumler



Es war einmal, vor langer Zeit, ein bitterarmes Ehepaar in einem ärmlichen Dorf in der Nähe von Bad Homburg. Dieses hatte eine Tochter, die auf den Namen Aleidis hörte. Eines Tages konnte sich Aleidis nicht mehr auf den Unterricht konzentrieren. Sie dachte die ganze Zeit an die Geschichte, die ihre Mutter erzählt hatte über einen Weißen Turm, der in Bad Homburg stand. Es hieß, dass man von den Weihnachtselfen belohnt werde, wenn man zum Turm gehe und Weihnachten sei. Aleidis hoffte, so ihren armen Eltern helfen zu können. Bald war schon Weihnachten. Da packte Aleidis heimlich ihre Wandersachen und machte sich des Nachts auf den Weg ins ferne Bad Homburg. Nach zwei Tagen und Nächten erreichte sie bei dichtem Schneetreiben die Stadt. In der Nähe der russischen Kirche baute sie sich ein Lager und schlief bis zur Dämmerung des nächsten Tages, dann eilte sie zum Weißen Turm und blickte gen Himmel. Da, ein einziger Stern leuchtete! Das war der Weihnachtsstern. Im dämmernden Licht sah sie etwas glitzern und vor Aleidis flog eine Elfe. Sie landete vor ihr und sprach: „Aleidis, du hast ein reines Herz, du sollst deine Belohnung bekommen. Aber zuvor musst du drei Aufgaben meistern. Die erste Aufgabe: Bring mir die Elfen-Wurzel, die hier in der Gegend wächst. Zweitens: Hole mir das Weihnachtskraut. Drittens: Bringe mir das Wasser der Weihnacht. Wenn du diese drei Gegenstände hast und sie mir bringst, dann sollst du den Schatz haben.“ Mit diesen Worten verschwand die Elfe im Wald. Aleidis machte sich auf die Suche nach der Elfen-Wurzel. Stundenlang irrte sie im Schlosspark umher und entdeckte schließlich unter der großen Libanon-Zeder die Elfen-Wurzel. Aleidis wollte sie gerade pflücken, da sprach der Baum: „Junges Fräulein, bevor du die Wurzel bekommst, befreie mich von der Last des Schnees. Ich erkälte mich sonst noch!“ Also kletterte Aleidis auf die Äste und fegte den Schnee herunter. Der Baum bedankte sich und sagte: „Nimm dir eine meiner Wurzeln.“ Aleidis buddelte nun eine Wurzel des Baumes aus, verabschiedete sich höflich und verstaute die Wurzel in ihrer Manteltasche. Nun machte das Mädchen sich auf die Suche nach dem Weihnachtskraut, das auf dem Herzberg wachsen sollte. Aleidis wanderte zur Bergspitze, wo tatsächlich das Kraut in seiner vollen Pracht wuchs. Sie wollte eins pflücken, doch als sie sich vorbeugte und ihre Hand nach einem Stück Kraut griff, wich das Kraut aus und Aleidis fiel kopfüber in den Tiefschnee. Als sie sich wieder aufgerappelt hatte, wagte sie einen zweiten Versuch und diesmal schaffte sie es. Sie packte das Kraut, riss eine Handvoll aus und machte sich auf den Rückweg. Als sie wieder am Weißen Turm ankam, bemerkte sie, dass der Schneesturm aufgehört hatte. Glücklich verstaute Aleidis das Weihnachtskraut in einer kleinen Box. Nun fehlte ihr nur noch das Wasser der Weihnacht. Sie überlegte sich, ob das Wasser der Weihnacht vielleicht aus einer der Quellen im Park kam. Einzig das Wasser des Louisenbrunnens war nicht gefroren. Das musste das Wasser der Weihnacht sein! Aleidis befüllte ihre Feldflasche mit dem magischen Wasser und wanderte zum Weißen Turm zurück. Wenig später dämmerte es und die Elfe kam wieder aus dem Wald. Das Mädchen gab ihr die Wurzel, das Kraut und das Wasser. Die Elfe sagte: „Sehr gut hast du das gemacht, Aleidis. Nun sollst du deine Belohnung bekommen.“ Sie zog einen großen Schlüssel aus ihrem Gewand und öffnete eine geheime Tür am Turm. Dahinter stand eine prallgefüllte Schatztruhe voller Gold. Aleidis umarmte die Elfe und bedankte sich. Dann verabschiedete sich die Elfe und flog zurück in den Hardtwald. Aleidis nahm die Truhe auf den Rücken und machte sich auf den Weg nach Hause. Als sie nach zwei Tagen wieder zu Hause ankam, wurde sie von ihren besorgten Eltern freudestrahlend empfangen. Aleidis verkündete: „Ich habe etwas für euch.“ Nun zog sie die Truhe ins kleine Haus. Ihre Eltern nahmen das Gold. So lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende.

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