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  • Weihnachtsstadt Bad Homburg

Weihnachtsmärchen

von Nika Packmohr, 8. Klasse, Humboldtschule


Es war einmal, vor langer Zeit, ein Drache. Seine Tränen waren aus purem, flüssigem Gold und konnten alles sein, was das Herz begehrte: Ein Heilmittel für Krankheiten, Nahrung, Wasser oder Geld. Eben alles, was man benötigte.


Der Drache lebte abgeschieden von den Menschen und so war er noch nie entdeckt worden. Eines Tages jedoch kam ein Wanderer in die Höhle des Drachen, um Schutz vor einem Unwetter zu suchen. Als er sich dem riesigen Drachen gegenübersah, fiel er voller Angst auf die Knie und flehte ihn an, ihn nicht zu fressen. „Ich gebe dir alles was du willst, nur bitte verschone mich! Ich habe zu Haus eine Frau und zwei Kinder, zu denen ich zurückkehren muss! Sie überleben ohne meine spärlichen Einkünfte nicht!“ „Was könntest du mir schon geben?“, fragte der Drache. „Deine Taschen sind leer.“ Zitternd griff der Mann in seinen Beutel und holte etwas hervor. „Dies ist eine Leier“, erklärte er. Der Reisende begann, die Saiten zu zupfen. Sein Lied sprach von Freiheit, es erzählte von Glück, Wohlstand und Geborgenheit. Als der letzte Ton verklungen war, war der Drache so gerührt, dass ihm eine Träne aus dem Augenwinkel lief und in einen schalengeformten Stein tropfte. Die Augen des Bauern wurden groß, als er die goldene Träne sah. „Nimm sie.“, sprach der Drache. „Nimm sie, kehre nach Hause zurück und verkaufe sie dort. Sie wird dir viel Geld einbringen.“. „Ich verstehe nicht.“, stotterte der Bauer. „Ich habe schon vieles gehört.“, erklärte der Drache. „Der Wind, der über das Gras streift, die Vögel, welche so manches Freudenlied gesungen, doch noch nie habe ich etwas so Schönes gehört, wie dieses Lied, welches du mir soeben geschenkt hast.“. Der Mann verstand, nahm die Schale mit der Träne, bedankte sich und zog weiter.


Schon bald hatte sich die Nachricht über den Drachen, welcher goldene Tränen weinte, verbreitet und mit der Zeit hatte sich um die Höhle des Drachen eine Stadt angesiedelt. Wer etwas von Herzen benötigte, brachte dem Drachen etwas dar, was dem Charakter dieser Person entsprach: ein Gedicht, ein Lied, ein selbst gemaltes Bild, und vieles mehr wurde dem Drachen gegeben, um seine Hilfe zu erhalten. Kam das Geschenk von Herzen, weinte der Drache eine goldene Träne als Dank.


Doch irgendwann kam niemand mehr. Die Menschen hatten andere Wege gefunden, zu bekommen was sie wollten. Es waren schmutzige Wege, welche über andere hinweg führten. Der Drache wurde traurig und begann zu weinen. Doch keine goldenen Tränen mehr, sondern schneeweiße. Die Jahre vergingen und der Drache weinte.


Eines Tages kam der Drache, dessen Verstand von Wut und Trauer vergiftet war, aus seiner Höhle. Er flog über die Stadt, gewillt, sie dem Erdboden gleich zu machen. Doch inmitten des Leids und der Ungerechtigkeit sah er auf dem Großen Platz ein kleines Mädchen stehen. Es schaute den Drachen, welcher von seinen Tränen durchnässt nun weiß war, an, und legte ihren Kuscheltierstern auf den Boden. Plötzlich legte hinter ihr ein Mann eine Leinwand auf den Boden. Immer mehr Leute legten nun Dinge auf den Boden. Sie sahen unscheinbar und unbedeutend aus, doch dem Drachen war ihr Wert bekannt. Sie bedeuteten den Menschen tief in ihrem Herzen etwas. Als hätte ihn ein Blitz getroffen, fielen die weißen Tränen von dem Drachen ab. Er streckte seine Flügel und erstrahlte wieder in schillerndem Gold. Er vergab den Menschen und diese öffneten ihm wieder ihre Herzen. Die weißen Tränen jedoch fielen auf einen Steinturm, welcher daraufhin von strahlendem Weiß war. Fortan war dieser Turm als „Der Weiße Turm“ bekannt, und wurde zum Wahrzeichen der Stadt.

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